Letzte Aktualisierung
04. April 2008

[english]


Anfärben

Visualisierung pathologischer Keimbesiedlung

Der Begriff ‘infizierte Mundhöhle’ (Mühlemann) erfordert für eine kausale Therapie zunächst bakteriologische Diagnostik. Bekannte Methoden dazu sind:

  • Inspektion z. B. von Gestalt und Farbe der Plaque, des infizierten Dentins, von Gingiva- und Mucosaoberfläche und sekundärer Gewebeschäden.
  • Palpation z.B. in Form von Erfühlen des Schnittwiderstandes von Dentin.
  • Provokation z. B. inflammatorischer Reaktionen (SBI, Pulpareizung).
  • Keimbestimmung z. B. Abstrich > Kultur, Gensondentest, Dunkelfeldmikroskopie.
  • Anfärben z. B. mit Erythrosin, Kariesdetektor, durch fluoreszierende Medien.
  • Transluzenzbestimmung z. B. durch Messen der größeren Licht- und Röntgendurchlässigkeit infizierter Zahnhartgewebe.

Der Mensch hat keine Sinnesorgane, mit denen er einzelne Mikroorganismen direkt wahrnehmen kann. Erst bei massiertem Auftreten ganzer Kolonien von Mikroorganismen, die bereits einen Sekundärstoffwechsel aufgebaut haben, kann durch ihr Aussehen, durch Ertasten, Riechen und Schmecken zwar auf die Quantität anwesender Keime geschlossen werden, nicht aber auf ihre Pathogenität und Virulenz. Der fehlende, direkte sinnliche Bezug zur Zusammensetzung der Keimbesiedlung der Mundhöhle verhindert oft eine kausale Therapie der Grundinfektion und führt über längere Zeit zu einer sekundären Anhäufung von Reparaturen der durch sie verursachten Sekundärschäden (‘Supervised Neglect’). Durch ‘Disclosing Solutions’ können Microorganismen sichtbar gemacht werden (‘Revelatoren').

  • Fuchsin:

Eine 0,5 %ige Lösung von basischem Fuchsin in Propylenglycol (Rp. Fuchsin 0,25 g; Propylenglykol ad 30,0 g) ist in Wasser wenig, in Alkohol gut löslich, besitzt die stärkste Färbewirkung aller bekannter Plaque-Detektoren, ist als Anilinfarbstoff potentiell canzerogen. Daher nur zum Pinseln (Kofferdam), nicht zum Spülen geeignet. Mit der Fuchsinmethode wird u. a. exakt der Bereich des zerstörten Kollagens aufgezeigt (Fusayama).

  • Cavex Caries Detektor®:

1 %iges Säurerot in Propylenglykol (H & W, 10 ml 59,- DM) färbt ‘totes’, kariöses Dentin scharlachrot, nicht aber ‘vital’ kariöses und gesundes Dentin. Ungiftig.

  • Erythrosin:

Das Binatriumsalz von 2, 4, 5, 7-Tetrajodofluoreszin, als 5 %ige Lösung zum Pinseln. Zum Spülen: 6 Tropfen einer 5 %igen Lösung auf die Zunge geben und damit "Schaum ziehen" lassen. Ungünstig: Starke Einfärbung der Lippen, Gingiva und Zunge. 3 Rotschattierungen entsprechen 3 verschiedenen Phasen der Plaquebildung (Schmelzoberhäutchen - monozelluläre Bakterienschicht - fortgeschrittenes Plaquestadium). Erythrosin läßt die Plaquedicke nicht beurteilen. Es enthält Jod (cave Allergie!).

  • Ammoniakalische Silbernitratlösung nach Howe:

Indikation u. a. zur Sichtbarmachung bakteriell infizierten Dentins. AgNO3 allein reagiert nicht schnell genug, daher Vorbehandlung der Kavität mit konzentriertem Röntgenentwickler. Dann Applikation von ammoniakalischer Silbernitratlösung nach Howe (Silbernitrat mit 30,4 % Ammoniumhydroxyd). Einwirkzeit 15 Sekunden, dann Neutralisieren mit gesättigter Kaliumjodidlösung während 15 Sekunden. Bewirkt gleichzeitig Markierung und Dentindesensibilisierung durch Ausfällung der organischen Dentinanteile. Gefahr der Verfärbung durch Diffusion. Flecken im klinischen Arbeitsbereich und auf der Kleidung (sind entfernbar z.B. mit SILVOSOL®).
Quelle: K.R.Durham D.D.S., Tahoka. The Texas Dental Journal, 9/1955.

  • Andere:

Proflavin (2.5 mg /Tablette, gelb); Malachitgrün (Pinselung mit 1 - 2,5 %iger Lösung, verwandt mit bas. Fuchsin); Triphenylmethanderivate (Methylviolett, Kristallviolett - toxisch); Pistaziengrün (85 % Tartrazin : 15 % Patentblau. Orange-gelber Lebensmittelfarbstoff, pH 7.1. Im Alkalischen rot.); ‘Fluoreszierende’ Detektoren (Plaquophiles Na-Fluoreszein läßt im UV-Licht selektiv nur die Plaque aufleuchten. Exogenes Schmelzoberhäutchen und die 'sauberen' Zahn-, Gingiva- und Schleimhautoberflächen fluoreszieren nicht.

Weitere Indikationen:

Zur Diagnostik der die Parodontitis verursachenden Keimreservoirs ist z.B. Fuchsin ebenfalls hilfreich: Lakunen, Risse und infizierte Frakturflächen werden sichtbar. Auch Konkremente lassen sich aufgrund ihrer Anfärbbarkeit bezüglich ihrer Infektiosität oder ‘Harmlosigkeit’ beurteilen.

Der Dentinbruch - Ursache für das ‘Split tooth’-Syndrom, ist verläßlich durch das Anfärben des infizierten Bruchspalts visualisier- und diagnostizierbar.

Beim Entfernen alter Komposit-Restorationen zeigt das Färbemittel den Verbleib optisch sonst nicht feststellbarer Füllungsreste.

Fissuren und Foramina coeca können auf den oft optisch nicht differenzierbaren Gehalt von infektiösen Keimen untersucht werden. Damit wird die Entscheidung erleichtert, ob eine Fissurenversiegelung notwendig ist oder nicht und ob die Black’sche Präparationsregel ‘Extension for Prevention’ im individuellen Fall angewendet werden sollte oder nicht.

Aus einem Referat gehalten am 13.01.1997

Detlef Schmidt

Literatur

Fusayama, T.: Neue Konzepte in der konservierenden Zahnheilkunde. Quintessenz Verlags-GmbH 1982

Brännström, M.: Dentin and Pulp in Restorative Dentistry. Dental Therapeutics AB Nacka, Sweden 1981

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© Detlef Schmidt 01.06.1997 - Letzte Aktualisierung: 04. April 2008

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