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Letzte Aktualisierung
26. März 2008

[english]


Musterschreiben für Patienten
 

Nach einer ersten Kontaktaufnahme, Untersuchung, Befundung, Diagnose und Herstellung hygienischer Mundverhältnisse erhält der neue Patient darüber einen Brief.


Therapieplanung
wird von vielen Patienten eigentlich nicht gewünscht:

"Machen Sie mir die Beschwerden weg und lassen Sie mich mit allem anderen in Ruhe!"

 Jene ist aber für die Langzeiterhaltung des Gebisses unverzichtbar und die Briefform erfüllt ideal die Anforderungen der Forensik.

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Seite 1 (von 4)

Betr:   Therapieplanung

Sehr geehrte Frau Mustermann,

wie von Ihnen gewünscht, übersende ich Ihnen nach gründlicher Untersuchung einen Vorschlag zur Behandlung Ihres Mundes.

Anlässlich der Erstuntersuchung am ?  klagten Sie über folgende Symptome:

  • Zahnschmerz auf
     - heißen / kalten Temperaturreiz
     - Kaudruck
     - Berührung
     - ohne erkennbaren Auslöser
  • Spontanes Zahnfleischbluten beim Putzen.
  • Genereller/stellenweiser Rückgang Ihres Zahnfleisches an den Zahnhälsen
  • Hängenbleiben von Speiseresten beim Kauen in Ihren Front- / Seitenzähnen
  • Säuerlicher / fauliger Mundgeruch
  • eine ca. einmal im Monat stattfindende, diffuse Kopfschmerzattacke
  • Kiefergelenkgeräusche beim Kauen / Öffnen der Kiefer
  • Ästhetisch stören Sie die Ihrer Meinung nach zu weit nach vorne und zu unregelmäßig stehenden oberen Frontzähne (Stellung – Form – Farbe).

Abb. 1: Ansicht von vorne mit entblößten Zahnreihen. Fehlstellung: Mittellinienverschiebung um ½ Zahnbreite. Ausgesprengte Schneidekanten. Generalisierte Zahnfleischentzündung.

 

      

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Abb. 2 und 3: Ausgeprägt-generalisierter Zahnfleischrückgang. Eitrige Entzündung am unteren rechten großen Backenzahn. Nach vorne aufgebogen stehender Oberkieferzahnbogen mit Tendenz zu offenem Biss. Stark eingebüßtes hellrosa fest angewachsenes Zahnfleisch. Freiliegende, unansehnliche Füllungs- und Kronenränder mit Verfärbungen.

 

Abb. 4 und 5: Blick auf die Kauflächen der oberen und unteren Zahnbögen. Entzündlich verändertes Zahnfleisch an den zungen- und wangenseitigen Zahnhälsen. Starke Abnutzung der Kauflächen mit Perforation des Schmelzüberzugs.

Abb. 6: "Panorama"-Übersichtsröntgenbild Ihres Gebisses datiert vom 05.06.2002. Die weiß-opaken Bereiche wurden von den Röntgenstrahlen wenig bzw. nicht durchdrungen (Metallfüllungen/Kronen). Chronisch-entzündliche Prozesse (Karies, Parodontitis) sind röntgendurchlässiger und erscheinen auf dem Film stärker geschwärzt. 

 

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Medizinische Vorgeschichte:

Allgemeinmedizinisch seien keine Erkrankungen bekannt.

Eine kieferorthopädische 'Regulierung' sei im Kindesalter nicht erfolgt.

Es seien mehrfach systematische Zahnfleischbehandlungen durchgeführt worden, dies habe jedoch nicht zu einem dauerhaften Erfolg geführt.

Wegen des Kiefergelenkknackens sei 1999 eine Aufbissschiene angefertigt worden.

Vorbehandlung:

Die sofort eingeleitete hygienische Desinfektionsbehandlung Ihrer Mundhöhle hat inzwischen im Verbund mit Ihrer geänderten Mundpflegetechnik zu einem sehr ermutigenden Entzündungsrückgang geführt, so dass bereits abzusehen ist, welche Zähne Ihnen voraussichtlich erhalten werden können und welche nicht.

Diagnose:

Die chronische Mundhöhleninfektion hat zu chronischer Zahnbetterkrankung ('Parodontitis') geführt und zu einem (nach hinten zunehmenden) ca. 60%igen Verlust Ihres ursprünglichen Kieferknochenvolumens.

Zahnfäule hat sich ausgehend von den Fissuren bzw. von den Kontaktflächen der Backenzähne gebildet und zur Zerstörung von ca. 60% Ihrer ursprünglichen Zahnsubstanz geführt. Die Ränder einiger Kronen und Brücken liegen den Zahnhälsen nicht (mehr) ausreichend genug an – dort ist z. T. Zahnhalskaries entstanden. Die marktoten Wurzeln Ihrer Zähne ? *[1] haben z. T. zur Knochenvereiterung an den jeweiligen Wurzelspitzen geführt.

Es besteht Zungenpressen (evtl. verantwortlich für die Fehlstellung Ihrer Frontzähne). Der Unterkiefer weicht beim Schließen nach rechts ab. Das linke Kiefergelenk verursacht (als Zeichen für eine Knorpelschaden) Reibegeräusche während der Mundöffnung. Die Front­zähne zeigen z. T. erhebliche Abnutzungsspuren durch Knirschen/Pressen mit den Zähnen.

Abb. 7 und 8 (Modelle eines anderen Falls): Die Frontzähne zeigen z.T. erhebliche Abnutzungsspuren durch Knirschen/Pressen mit den Zähnen. Die sog. Kauebene fällt nach hinten unphysiologisch stark ab.


[1] Zahnschema:


R

87654321│12345678
87654321│12345678


L

Schneidezahn oben rechts:    Nr.11, 
Weisheitszahn oben links:    Nr.28, 
Eckzahn unten links: Nr. 43 usw. 
   

 

Seite 4

Therapie:

Voraussichtlich müssen diverse Front-/Backenzähne entfernt werden, da sie keine ausreichende Erfolgsaussicht für eine Therapie bieten. Die Zähne N.N. können evtl. durch eine Wurzelbehandlung / chirurgische Trennung seiner Wurzeln erhalten werden. Die Erfolgsaussicht für diesen erheblichen Behandlungsaufwand schätze ich allerdings nur auf ca. 50%. Bei Zahnverlust bietet sich ein Ersatz durch Brücken bzw. mit Zahnimplantaten an.

Nach Rücksprache mit einem kieferorthopädischen Fachzahnarzt empfehle ich Ihnen das kieferorthopädische Zurückbewegen der oberen und der unteren Frontzähne, bevor die endgültige Versorgung Ihres Gebisses mit Füllungen, Kronen und Brücken erfolgt. In der Zwischenzeit kann die vorbereitende Therapie Ihrer Zähne weitergehen, da sie mit langen Heilfristen verbunden ist.

Ich empfehle Ihnen, sich unter Vorlage dieses Briefes sowie Ihrer Röntgenaufnahmen und Ihrer Gebissmodelle vorzustellen bei:

 

Fachzahnarzt für Kieferorthopädie
Dr. XYZ
Kieferknackenweg 1

1000  Musterstadt

 

Über den für die endgültige Sanierung Ihres Gebisses mit Kronen und Brücken notwendigen Kostenaufwand werde ich Ihnen rechtzeitig nach Abschluss der vorbereitenden Therapie etwas sagen können.

Mit freundlichem Gruß
I
hr Detlef Schmidt

  

P. s.:   Dieser Brief enthält Daten, die bei Erstattungsstellen zur (für Sie nachteiligen) besseren Einschätzung Ihres Versicherungsrisikos führen könnten. Im Extremfall könnte z.B. eine Versicherung Ihren Vertrag mit Ihnen kündigen, wenn er ihr durch die hier geschilderten Fakten für die Zukunft nicht mehr profitabel erscheint.          
Geben Sie dieses Dokument also nicht bedenkenlos weiter!

 


Kommentar

Bei der Gestaltung des Briefes achtete ich auf folgende Besonderheiten :

  • Eingedeutschte Fachausdrücke

  • "Spiegeln" der subjektiv im Vordergrund stehenden Beschwerden

  • "Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte"

  • Prozentuale Quantifizierung der eingetretenen Gebissschäden

  • Prognoseabschätzung abhängig vom therapeutischen Investitionsaufwand

  • Keine Fixierung auf therapeutische Details (die stehen im Kostenplan)

Ihre Meinung dazu interessiert mich sehr!
Schreiben Sie mir:

schmidtlef@t-online.de

 

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Dr. Detlef Schmidt - Moltkestrasse 10 - 26122  Oldenburg
Fon 0441-776699 - Fax 0441-776609
URL: schmidtlef.de / E-Mail: schmidtlef@t-online.de  
© Detlef Schmidt 01.06.1997 - Letzte Aktualisierung: 26. März 2008

  

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