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Letzte Aktualisierung
04. April 2008

[english]


Erkrankungen der Kieferhöhle und ihre Therapie

Zusammenfassung eines Referats gehalten vor dem Study Club 'EMoMo' am 04.01.1999.


Anatomie der Kieferhöhlen

Seitliche und Höhenausdehnung der Kieferhöhlen (Frontalschnitt)


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Anatomie der Keilbeinhöhle

Ausdehnung der Keilbeinhöhle

Anatomie

Die Nasennebenhöhlen sind ein ca. 50 cm langes, sich verzweigendes Schlauchsystem mit Ausstülpungen: Kiefer-, Stirn- und vordere Siebbeinzellen münden in den mittleren - hintere Siebbeinzellen und Keilbeinhöhle in den oberen Nasengang.

Ferner zählen zu den Nebenhöhlen die Mittelohr- und Mastoidräume. Auskleidung mit "respiratorischer" Schleimhaut: Basalmembran, Basalzellen, Becher- und Flimmerzellen.

    

Physiologie

Die Clearance der NNH wird durch das sympathikoadrenerge System gesteuert. Über der respiratorischen Schleimhaut liegt ein nur ca. 20 µ starker, zweischichtiger (semisolider) Sekretfilm aus einer inneren Solschicht und einem äußeren Gelteppich. Beide sind durch eine membranartige Grenzschicht voneinander getrennt und bestehen aus einem alkalischen Proteid, dessen hochmolekulare, fadenförmige Polymere durch S- und H-Brückenbildung ein dreidimensionales Netzwerk bilden.

Das Proteid wechselt bereits bei einer pH-Wertänderung von 7,5-7,6 (!) vom Sol- in den Gelzustand.

Der automatisiert ATP-gespeiste Wirkschlag der Zilien erreicht den Gelteppich und bewegt diesen rhytmisch vorwärts. Die Richtungen des ca. 1000 mal pro Minute stattfindenden Zilienschlags ähnlich einem Förderband verlaufen in den Nasenhaupthöhlen in Richtung der Choanen, in den Nebenhöhlen in Richtung der Ostien, in den Bronchien kranialwärts. Fremdpartikel werden so in Richtung Mundrachen weitergereicht: "Mukoziliäre Clearance". Partikel > 20µ werden in den Nasenhaupthöhlen, kleinere erst in tieferen Abschnitten festgehalten (wichtig für den Wirkort von Ärosolen, die in tieferen Bereichen nur mit Partikelgrößen < 5µ wirken!).

Fließbandmechanismus des Sekretfilms

Becher- und Flimmerzellen mit Zilienschlag

Pathologischer Gelteppich

Schleimtransportstörung bei pH-Abfall


Aufgaben der Nasennebenhöhlen

Folgende Aufgaben werden den NNH zugeschrieben:

  • Resonanz bei der Lautbildung,
  • Konditionierung der Inspirationsluft durch Flüssigkeitsabgabe,
  • Reservoir für feuchtwarme Klimatisierung,
  • Druckausgleich beim Atmen,
  • Referenzluftreservoir bei Geruchsprüfung (bei Tieren nachgewiesen),
  • Wärmeisolation der Schädelbasis,
  • Gewichtsverringerung des Gesichtsschädels (würde das Gewicht von mit Wasser gefüllten Nebenhöhlen dazukommen, würde der aufrechte Gang gefährdet. Wassersäuger besitzen keine NNH, alle landlebenden Säuger weisen pneumatisierte Räume des Schädels auf.)


Prophylaxe

In einem Großversuch bei Soldaten wurde eine hochgradig signifikante Infektionsprophylaxe der Atemwege in der Gruppe von Probanden erreicht, die jeden Morgen eine 0,9 %ige physiologische Kochsalzlösung intranasal ‚schnupfte‘. Der Wirkmechanismus scheint in der Provokation der mukoziliären Clearance zu liegen. Raumluft sollte aus dem gleichen Grunde bei 60 % Luftfeuchtigkeit gehalten werden.


Pathophysiologie

Über 30 % aller Atemwegsinfekte beginnen in den NNH!

Mucosaschwellung infolge von Entzündungen führt zur Einengung der Ostien > Störung von Ventilation und Drainage > Sekretstau pH-Veränderung > > Gelieren der Solschicht > Entkoppelung des Mukoziliarapparates > Hypoxämie der Mucosa > Erstarrung der Zilientätigkeit > Veränderung des Wirtsmilieus für Saprophyten > Verlust der kompetetiven Hemmung pathogener Keime > Entzündung und Schwellung der Lamina propria > Ostienverschluß.

Entzündete Sinusschleimhaut

Entzündlich verquollene Sinusschleimhaut mit Blockade der Ostien

Operativ korrigierte Sinusschleimhaut

Sinusschleimhaut nach chirurgischer Korrektur und Öffnung der Ostien


Therapie

1. Abschwellung der Schleimhaut

  • NASIVIN® Nasentropfen 0,05 % N2 = 20 ml Lsg.
  • SINUSITIS-KOMPLEX HEVERT® 100 Tbl. (4 x tägl. 2 Tbl. im Mund zergehen lassen, in akutem Zustand halbstündlich 2 Tabletten! - Homöopathicum).

2. Sekretolyse und Förderung der Sekretmotorik

  • ACC 200® (Granulat N2 = 30 Btl., Acetylcystein = Hustenlöser)
  • BRONCHOFORTON® (Mixtur ätherischer Öle zum Inhalieren)
  • GELOMYRTOL FORTE® (mentholhaltige dünndarmlösliche Kapseln N1 = 20 Kpsln)
  • HUSTEN- und FIEBERSAFT ratiopharm® (Paracetamol 2,5 g Dextromethorphanhydrobromid 75 mg)

3. Antibiose

4. Chirurgische Erweiterung der Engpässe

  • Endoskopische Untersuchung > Diagnose der Verlaufsentwicklung der Entzündung und ggfls. morphologischer Ursachen.
  • Endoskopisch gelenkte, schleimhauterhaltende Mikrochirurgie mit Abtragung obstruierender Schleimhauthyperplasien rückwärts entlang dem ursprünglichen Ausbreitungsweg der Schleimhautpathologie. Öffnung der Sekretschleusen zwischen Kiefer- und Stirnhöhle zur Schleimhaut der lateralen Nasenwand. Progressives ‚Ausknabbern‘ der Keilbeinhöhlen. Die Kieferhöhlenfensterung wird mit einer rückschneidenden Stanze nach frontal bis zum Durchmesser von 1-1,5 cm erweitert (unter Schonung der dorsalen epithelialen Randseite, denn zirkuläre Schleimhautläsionen würden zum Rezidiv führen). Danach Abtragung von Zysten, Polypen und Mukozelen.
  • Postoperativ während der ersten 14 Tage ist mit ödematöser Verschwellung der Ostien, Krusten- und Borkenbildung, Bildung von Fibrinbrücken, Ödemkissen wg. Lymphabflußstörungen zu rechnen. Normalisierung der mukoziliären Clearance erst nach ca. 5 Monaten (!).
  • Komplikationen möglich durch Allergien. Trias: Asthma, Analgetikaintoleranz, Polyposis nasi et sinuum. Orbitale Komplikationen selten. Erneute Hyperplasie des Epithels möglich. Ebenso umschriebene Epithelläsionen mit Zerstörung der Sekretdecke. Ödembeete und Exsudationen im Op-Gebiet.
  • Unterstützende (Teil-)Resektionen des Siebbeinzellsystems, des Nasenseptums und ‚Stutzen‘ der Nasenmuscheln. Bei Kindern Sanierung des Nasenrachens durch Adenotomie.


Epikrise

Es fällt auf, daß die aus der Parodontologie bekannten Methoden des Schleimhaut-Infektionsmanagements (Sichtbarmachung der Keimbesiedlung durch Anfärben faerben.htm , Keimbestimmungen durch Gensondentest und spezifische Antibiose, mukosaanhaftende Desinfizienzien wie Chlorhexidin, morphologische Rekonstruktionen durch flap-Op’s bzw. graft-Techniken) in der HNO (wg. der Unzugänglichkeit der Operationsgebiete?) noch keine Rolle spielen.

Eine kausale Therapie der Sinusitis kann daher z. Zt. noch nicht erwartet werden.


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© Detlef Schmidt 01.06.1997 - Letzte Aktualisierung: 04. April 2008

  

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