Für Patienten 

Für Zahnärzte

Für Besucher der Familie 

EDV - 'Computerkram' 

Interessante Links

Zurück zur Hauptseite

Letzte Aktualisierung
04. April 2008

[english]



. Privatzahnärztliche Vereinigung Deutschlands 


Seit dem 8.12.1978 bin ich Mitglied in der Privatzahnärztlichen Vereinigung Deutschlands (PZVD).
Als stellvertretender Vorsitzender (von 1985 bis 1991) hielt ich u. a. das unten zitierte standespolitische Grundsatzreferat.

Zurück
Back

.

Die zahnärztliche Privatpraxis

Auszüge eines Referats gehalten anläßlich der Jahrestagung der Privatzahnärztlichen Vereinigung Deutschlands (PZVD) am 8. November 1991 in Frankfurt/M

Die Organisationsform der rein privat geführten (zahn)ärztlichen Praxis dient der Gesundung und Gesunderhaltung oraler Strukturen besser als jede andere, bisher praktizierte Organisationsform!

Die 'Privatzahnärztliche Vereinigung Deutschlands' - kurz PZVD - wurde gegründet im Jahre 1978. - Ihre Gründungsväter waren nicht mehr als 15 deutsche Zahnärzte, die sich der Idee einer qualitätsorientierten Individual-Zahnheilkunde verschrieben hatten. Dazu ein kurzer medizinhistorischer Rückblick:

Ende der 60er Jahre hatte auf dem Gebiet der Gebiß-Funktionsanalyse ein gewaltiger Entwicklungssprung stattgefunden, der nicht so sehr von den etablierten Universitätszahnkliniken, sondern weit mehr von begeisterten Praktikern aufgegriffen und in das Leistungsangebot ihrer zahnärztlichen Praxen aufgenommen wurde.

So erinnern Sie sich an die späten 60er, als z.B. Arne Lauritzen seine funktionellen Kurse in Deutschland abhielt, die einen ungeheuren Durst nach Informationen über die eigentlich schon lange bekannte Artikulationslehre wieder erweckte und enthusiastische Zahnärzte zu regelrechten Wallfahrten in die nordamerikanischen Hochburgen sogenannter 'Comprehensive Dentistry' veranlaßten - dies ein Ausdruck, der bezeichnenderweise nur unvollständig mit dem deutschen Begriff 'Gemischte Klinik' oder 'umfassende Zahnmedizin' übersetzt werden kann.

Viele Zahnärzte orientierten sich damals von der bis dato betriebenen 'Zahn'-Heilkunde um - hin zu einer ganzheitlicher ausgerichteten 'Gebißmedizin'. Das Denken in Okklusionskonzepten (d.h. die Verzahnung betreffend) mit den dazugehörigen Aufwachstechniken der Kauflächen, die Entdeckung der Wechselbeziehungen zwischen Gelenk - Muskulatur - Zahnoberflächen und dem Parodont (d.h. dem Zahnhalteapparat) erschlossen vielen plötzlich tiefere Einsichten in causale medizinische Zusammenhänge und waren uns Quell neuer Begeisterung für die Profession.

Entwicklungen in der Parodontologie (d.h. die Lehre von den die Zähne haltenden und stützenden Geweben)  verliefen zeitversetzt, aber in ähnlicher Form. Hier war es die Entdeckung des Begriffs der 'infizierten Mundhöhle' und der Bedeutung ihrer hygienischen Gesundung für die oralen Strukturen, die ebenso in einer ganzheitlicheren Betrachtungsweise mündete. Sie begriff z.B. die Parodontitis nicht mehr als lokalen Infekt sondern als eine multifaktorielle Systemerkrankung. Patienten, die von der etablierten Zahnmedizin bis dahin vor allem symptomatisch mit einer Art zahnmedizinischer 'Hinhaltetaktik' betreut worden waren - die Amerikaner belegen sie mit dem böse-treffenden Ausdruck 'supervised neglect' = 'kontrollierte Vernachlässigung' des Gebisses'), fanden schnell Interesse an den neuen Möglichkeiten causalerer und damit auch prognostisch günstigerer Behandlungsformen, die allerdings (leider) ein Vielfaches an Behandlungszeit, an Fortbildungswissen, an apparativem Aufwand und nicht zuletzt an Zuwendung dem Patienten gegenüber erforderten.

Demjenigen, der die neuen, ganzheitlicheren Therapiekonzepte anbieten wollte, wurde zudem eine gegenüber der herkömmlichen 'Zahn-'Medizin, die jeweils nur unter dem besonders hohen Leidensdruck eines von Schmerzen geplagten Patienten zu ihrer Höchstform auflief, weit intensivere ärztliche Durchsetzungskraft abverlangt, um dazu motivierte Patienten, deren meist chronifizierte Erkrankungen bei ihnen noch nicht zu subjektiv korreliertem Schmerzempfinden geführt hatten, zur Gesundung zu bringen. Der angelsächsische Begriff 'Compliance', der wiederum nur mißverständlich mit dem deutschen Ausdruck 'Einverständnis' - treffender vielleicht mit 'Komplizenschaft' zwischen Patient und Arzt übersetzt wird, formuliert treffend diesen Aufgabenzuwachs des ganzheitlich praktizierenden Zahnarztes gegenüber einer nur durch akuten Leidensdruck veranlaßten kurativen Tätigkeit.

Der gesteigerten Nachfrage nach Qualitätszahnmedizin standen jedoch für diese neue Sparte ungenügend hohe Gebühren gegenüber, und eine Anpassung der Gebührenhöhe an die neuen Möglichkeiten ließ sich politisch nicht durchsetzen. Im Klartext: Die neuen Möglichkeiten des zahnmedizinisch Machbaren kamen der Gesellschaft zu teuer. Man war der Meinung, die Zahnärzte könnten die neuen Verfahren zusätzlich bei wenigen, besonders schwer erkrankten Patienten nach entsprechender Antragsstellung als 'Sonderfälle' liquidieren.

Über den Beihilfemechanismus ist zunehmend ein unseliges Junktim zwischen den Staatsausgaben und dem vom Staat 'verordneten' Gebührenverzeichnis entstanden. Das Preisdiktat des Verordnungsgebers bemißt die jeweilige Gebührenhöhe nicht gemäß dem Niveau des zahnmedizinisch möglichen Zeitaufwands für eine therapeutische Leistung, sondern er benutzt sie vorrangig als Instrument staatlicher Ausgabeneinsparung. Der Zweck der PZVD war - und muß es (leider) noch heute sein -, Mittel und Wege zu finden, um trotz der bestehenden restriktiven und bedauerlicherweise auf Massenversorgung konzipierten Gebührenordnung dennoch die umfangreichere individuelle Qualitätszahnmedizin adäquat bezahlt zu bekommen. Wir mußten dazu erst einmal wieder zurück auf die Schulbank und uns mit den - dem ärztlichen Ethos eigentlich fremden - Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre vertraut machen, gefolgt von einer Betriebsanalyse unsrer Privatpraxen. Vor allem das Führen eines Zeitkontos in den Patientenunterlagen ermöglicht hierbei die einfache Analyse, ob einer jeweils in einer Praxis angebotenen Sachleistung auch die entsprechend hohe Einnahme gegenübersteht, um nicht in eine unübersichtliche Mischkalkulation zu verfallen und von den Zwängen des Zeitdrucks befreit praktizieren zu können.

Erst seit der GOZ-Novellierung 1988 zeichnet sich die wachsende Erkenntnis auch in weiteren Kollegenkreisen ab, daß Qualitätszahnheilkunde unter den gegenwärtigen Voraussetzungen in einer auf dem Solidaritätsprinzip beruhenden Sozialmedizin nicht mehr bezahlbar ist. Die 'Zweiklassen-Zahnmedizin' ist für den Eingeweihten de facto ja bereits seit langem etabliert - mit der Verschleierung dieser Tatsache werden wir aber noch lange leben müssen, weil die Politik dem 'Wahlvolk' diese Wahrheit nicht zumuten wird.

Nach einem zunächst traumatisch mißglückten Start als junger Assistent in der Kassenpraxis meines Vaters (Zeitdruck und Reparaturmentalität statt causaler Prophylaxe) fing ich noch einmal von ganz vorne an, mir die Zahnmedizin anzueignen und war dazu 5 Jahre in Zürich als Assistent tätig. Da es in der Schweiz  eine gesetzliche Krankenversicherung wie in der Bundesrepublik nicht gibt, steht die Zahnmedizin zwangsläufig auf höherem Qualitätsniveau. In meiner Heimatstadt habe ich nach meiner Rückkehr gegen den vehementen Rat aller Sachkundigen  den direkten Start in die Privatpraxis gewagt und bin seit 1978 vom ersten Tage an stolzer Betreiber einer auch wirtschaftlich sich tragenden, kompromißlosen Privatpraxis, in der ich meinen Patienten ohne Einschränkung das zukommen lassen kann, was dem hohen heutigen Standard des zahnmedizinisch Möglichen entspricht.

Qualitätszahnheilkunde läßt sich nicht in einer frequentierten Kassenpraxis realisieren, denn laut der in dem Buch von Dr. Schulz-Bongert 'Kommentar GOZ 88' errechneten Preis/Zeitrelationen für zahnärztliche Leistungen, die sich an dem für den Betrieb einer Praxis erforderlichen Mindestumsatz orientieren, wird offenbar, daß selbst auf dem Privatsektor zeitlich und qualitativ korrekt erbrachte Leistungen nur dann betriebswirtschaftlich zu vertreten sind, wenn sie  die Zeitdifferenz durch andere, weit unter dem eigentlich für sie erforderlichen Zeitaufwand erbrachte Leistungen wieder kompensiert werden.

Die ungeschminkte Wahrheit - über die keiner gerne spricht - ist, daß Kostendeckung für qualitativ ausreichende Leistungen nur über eine Mischkalkulation mit mehrheitlich qualitativ nicht ausrei-
chenden Leistungen erreicht werden kann. Es resultiert der Zwang 

zur Ausübung zweier bezüglich ihrer Qualität unterschiedlicher Formen der Zahnmedizin unter demselben Dach, und es scheint eher dem Zufall überlassen, wer jeweils in den Genuß einer 'besseren' Leistung gelangt. Der Privatpatient ist es in der Regel jedenfalls nicht - das beweist leider der Blick in den Mund eines jeden Neuankömmlings in meiner Praxis, in dem ich trotz goldener Restaurationsorgien vergeblich Spuren eines Gesamtsanierungskonzeptes im Sinne einer 'comprehensive dentistry' (s.o.) suche. Es wird also nicht genug für die Interessen gerade dieser Patientengruppe eingetreten. Die 'Schere im Kopf' zwischen dem Diktat der Mischkalkulation und dem eigentlich medizinisch Wünschenswerten ist die Ursache für dieses Phänomen. Die Wiederherstellung der durch die GOZ aufgehobenen uneingeschränkten Vertragsfreiheit mit dem Patienten muß daher auf lange Sicht unser Ziel bleiben.

Schaffen wir die Voraussetzungen dafür, daß die Zielgruppe derjenigen Patienten, die qualitative Individualzahnheilkunde möchten, auch genügend Zahnärzte finden, die diese betreiben und anbieten. Daß dies bis heute nicht der Fall ist, zeigen die immer wieder erstaunten Fragen von Patienten, die nach wahren Odysseen durch diverse deutsche Zahnarztpraxen beteuern: 'Das habe ich noch nie erlebt, daß sich ein Zahnarzt eine Stunde Zeit für meine Krankengeschichte genommen hat!'

Nach meinen Erfahrungen sind es aber höchstens 20% der Bevölkerung, die eine solche Form der Medizin überhaupt wollen. Der Rest möchte seine Probleme, die er - außer akuter Schmerzen - in seinem Gebiß angesammelt hat, möglichst gar nicht wissen - geschweige denn in causaler Weise gelöst haben. Es geht also nicht darum, die traditionelle Zahnmedizin und damit den Sicherstellungsauftrag für die Zahngesundheit im Sinne von Beschwerdefreiheit der Bevölkerung aus den Angeln zu heben, sondern es geht darum, der von uns betriebenen Spielart der Qualitätszahnheilkunde Luft zum Atmen und zum Überleben zu verschaffen.

Detlef Schmidt  

P.s.: Einen wesentlichen Beitrag zum Konzept qualitätsorientierter Privatzahnheilkunde liefert auch das PANKEY-Institut in Miami.

Zurück
Back

| Patients | Dentists | Family | EDV | Links | Home | .. |


Dr. Detlef Schmidt - Moltkestrasse 10 - 26122  Oldenburg
Fon 0441-776699 - Fax 0441-776609
URL: schmidtlef.de / E-Mail: schmidtlef@t-online.de  
© Detlef Schmidt 01.06.1997 - Letzte Aktualisierung: 04. April 2008

Navigation