Letzte Aktualisierung
04. April 2008

[english]


Anmischtechnik für Zinkphosphatzemente

Zinkphosphatzement wirkt zelltoxisch, ist weder chemisch noch mechanisch mundmilieubeständig, geht keine chemische Bindung zu den benetzten Haftoberflächen ein und reagiert schon auf kleinste Abweichungen während der Anmischprozedur mit großen Schwankungen seiner physikalischen Eigenschaften .

Trotzdem ist Phosphatzement einer der langlebigsten und bewährtesten Bindemittel zwischen Zahnsubstanz und prothetischem Werkstoff - vorausgesetzt, daß das Anmischen und Verarbeiten die im folgenden aufgeführten Standards einhält.

Zu erreichende Ziele:

  • Minimale Schichtdicke:
    höchstens ca. 25 Mikron (eine ‘Haaresbreite’ entspricht 80 Mikron!)
  • Homogene Konsistenz:
    ‘Zerreiben’ des Pulvers auf mattierter Seite der Glasplatte, Vermeidung von Schlierenbildung
  • Maximale Druckfestigkeit:
    durch möglichst hohen Pulveranteil und lange Abbindezeit
  • Minimale Löslichkeit:
    durch weitgehende Pufferung der Phosphorsäure und Minderung der ‘Wärmetönung’.

Vorgehensweise:

  1. Gläserne Mischplatte (gleich oder größer als 150 / 75mm in der Fläche und von 1 cm Stärke) im Kühlschrank auf eine Temperatur zwischen + 5° und + 10° C abkühlen. Ihre große Masse soll die voreingestellte Temperatur möglichst lange und konstant kühl halten, so daß die beim Anmischen entstehende Wärmetönung abgeleitet und so die chemische Abbindereaktion verzögert wird.
    Höhere Temperaturen als 10° C führen zur Verkürzung der Anmisch- und Abbindezeit.
    Niedrigere Temperatur als 5° C erhöht den ‘Taupunkt’ > Wasser aus der Luft schlägt sich auf der Platte nieder und ‘verwässert’ den Zement.
  2. Die Flasche mit der Phosphorsäure ist immer verschlossen zu halten. Die Flüssigkeit darf erst unmittelbar vor dem Mischen auf die Glasplatte getropft werden, da die Säure Wasser(dampf) aus der Luft zieht.
  3. Löslichkeit und Druckfestigkeit des abgebundenen Zements stehen in direkter Beziehung zur der Flüssigkeit zugegebenen Pulvermenge. Das Pulver/Flüssigkeitsverhältnis soll möglichst hoch sein: Auf 12 Tropfen Flüssigkeit entfällt 1 g Pulver (entspricht ca. einem gehäuften Zementspatel). Pro Krone reichen ca. 2 bis 4 Tropfen Flüssigkeit. Eine Mischung mit weniger als 3 Tropfen ist zu schwer zu manipulieren.
  4. Die abgemessene Pulvermenge wird in Form eines quadratischen ‘Tafelbergs’ auf der Platte geformt und für das Mischen kreuzförmig in zunächst 4 gleiche Teile separiert. Eines dieser Viertel wird in 2 Achtel und eines hiervon wieder in 2 Sechzehntel geteilt:
    Soll der Zement sehr langsam abbinden (dies ist routinemäßig der Fall) muß zunächst eine stecknadelkopfgroße Pulverportion in die Flüssigkeit gerührt werden und hier während 2 bis 3 Minuten einwirken.
  5. Die erste Portion Pulver (1/16) wird breitflächig und homogen mindestens über die Hälfte der Mischplatte mit linearen Bewegungen in die Flüssigkeitsmenge eingemischt, um die Säure zu neutralisieren und die Entstehung von Reaktionswärme dadurch bei den folgenden Schritten zu vermindern. Nach mindestens 10 Sek. Einwirkzeit folgt das Einspateln der nächsten 1/16-Portion während 10 Sekunden, danach während 10 Sekunden das Einspateln der 1/8-Portion, danach während je zweimal 15 Sekunden zwei der 1/4-Portionen.
  6. Das letzte 1/4 wird, um die gewünschte Konsistenz (s.u.!) zu erreichen, in mehrere Portionen unterteilt während weiteren 30 Sekunden eingespatelt. Jede Pulverbeifügung ist erst dann vollzogen, wenn sich die Mischung gleichmäßig fließend und schlierenfrei sowie ohne Reste von Pulverpartikeln oder Flüssigkeit an den Rändern und in den Ecken präsentiert.
  7. Die gesamte Mischzeit soll ca. 1 ½ bis 2 Minuten dauern. Der fertig angemischte Zement muß mit dem flachen Spatel 1 ½ bis 2 cm unter Bildung eines Fließfadens in die Höhe gehoben werden können. Reißt er vorher ab, ist noch nicht genug Pulver zugefügt - zieht er sich länger, ist zuviel Pulver genommen worden und/oder die Abbindung hat bereits eingesetzt.
  8. Die Innenseiten der Kronen und Kronenstümpfe müssen mit dem Zementgemenge gründlich eingepinselt und nicht einfach nur ausgestrichen werden, um eine intensive Benetzung der Oberflächen zu erreichen (Die Oberflächenspannung läßt sonst den Zementbrei sich von bereits benetzten Flächen wieder zurückziehen!).

Referat gehalten am 01.09.1994
Detlef Schmidt

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© Detlef Schmidt 01.06.1997 - Letzte Aktualisierung: 04. April 2008

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